Gute Teilzeitarbeitsmöglichkeiten für alle!

Stellungnahme zum Frauenstreiktag vom 14. Juni 2019


Wer Teilzeit arbeitet, hat mehr Zeit für sein Privatleben – für Familie, Freizeit oder gesellschaftliches Engagement.
Doch Teilzeitarbeit ist sehr ungleich verteilt. Zwischen den Geschlechtern und zwischen den Branchen:

  • 6 von 10 Frauen arbeiten Teilzeit, und nur 2 von 10 Männern.
  • Im Dienstleistungssektor ist fast jede zweite Stelle eine Teilzeitstelle, im Baugewerbe nur noch jede siebte Stelle.
  • In den Dienstleistungsbranchen arbeitet mindestens jeder vierte Mann Teilzeit. Im Ausbaugewerbe nur gerade jeder 11. Mann, im Hoch- und Tiefbau sogar nur noch jeder 18. Mann.

Teilzeitarbeit birgt Risiken. Zum einen die Benachteiligung bei den Pensionskassen: Die Berufliche Vorsorge ist erst ab einem Mindestjahreslohn obligatorisch, den Teilzeitbeschäftigte mit kleinen Pensen gar nicht erreichen (Mindestjahreslohn 2019: 21’330 Fr.). Hinzu kommt, dass der gesetzliche Koordinationsabzug für Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigte gleich hoch ist (2019: 24’885 Fr.). Dadurch fällt der versicherte Lohn (und somit die zukünftigen Leistungen der Pensionskassen) für Teilzeitbeschäftigte im Verhältnis zu ihrem Einkommen tiefer aus als für Vollzeitbeschäftigte. Die Folgen dieser Benachteiligung zeigen sich nach der Pensionierung. Bei der beruflichen Vorsorge erhalten Frauen über 60% weniger Renten als Männer. Zum Vergleich: Bei der AHV beträgt der Unterschied nur gerade 3%.
Weiter birgt Teilzeitarbeit das Risiko von geringeren beruflichen Entwicklungsperspektiven. Zudem gibt es prekäre Formen wie Arbeit auf Abruf oder unfreiwillige Teilzeitarbeit. Diese Risiken und die Tatsache, dass vor allem Frauen teilzeitbeschäftigt sind, werden mit dem Begriff «Teilzeitfalle» für Frauen umschrieben.

Der Verein Pro Teilzeit setzt sich für gute, freiwillige Teilzeitarbeitsmöglichkeiten für alle ein. Das heisst:

  • Teilzeitarbeitsmöglichkeiten auch für Männer und in Branchen, wo es noch wenige Teilzeitstellen gibt, wie in den Baubranchen. Wenn Männer mehr Teilzeitarbeitsmöglichkeiten haben, können Sie in der Familienarbeit mehr Verantwortung übernehmen, was ihren Partnerinnen bessere Perspektiven ermöglicht. Mit dem Projekt «Teilzeitbau» engagieren wir uns zusammen mit den Sozialpartnern für die Förderung von Teilzeitarbeitsmöglichkeiten im Maler- und Gipsergewerbe.
  • Wir fordern Regelungen, welche die Benachteiligung von Teilzeitbeschäftigten, insbesondere bei der beruflichen Vorsorge, aufheben.
  • Wir fordern die Unterbindung von Arbeit auf Abruf.


Ob sich jemand für Teilzeitarbeit entscheidet, hängt von der individuellen Situation ab. Aber die Möglichkeiten für gute Teilzeitarbeit sollen vorhanden sein. Und zwar für Frauen und Männer, egal ob sie im Büro oder auf dem Bau arbeiten.