Teilzeitarbeit in der Schweiz

Ungleichverteilung

Teilzeitarbeit ist sehr ungleich verteilt. Während im Dienstleistungssektor fast jede zweite Stelle eine Teilzeitstelle ist, ist dies im Baugewerbe nur noch jede siebte Stelle. Und während in den Dienstleistungsbranchen mindestens jeder vierte Mann eine Teilzeitstelle bekleidet, tut dies im Ausbaugewerbe nur gerade jeder 11. Mann. Im Hoch- und Tiefbau ist es sogar nur noch jeder 18. Mann.

Teilzeitbeschäftigung ist branchenabhänging – insbesondere bei den Männern. In den Dienstleistungsbranchen (Sektor III) liegt der Anteil der teilzeitbeschäftigten Männer bei 27%, in der Industrie und im Baugewerbe (Sektor II) nur bei 8%.

Der Verein Pro Teilzeit will dies ändern und Teilzeitarbeit in Branchen und Bereichen fördern, wo sie noch nicht etabliert ist. Denn Männer und Frauen sollen die gleichen Möglichkeiten für die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben haben. Egal ob sie im Büro oder auf dem Bau arbeiten.

«Teilzeitfalle»

Wie alles hat Teilzeitarbeit nebst den Vorteilen (mehr Zeit, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, höhere Arbeitsmotivation, Gesundheit) auch Nachteile.

Für Unternehmen bedeutet Teilzeitarbeit einen Mehraufwand in der Administration, Organisation und Kommunikation. Dieser kann jedoch mit klaren und einfachen Abläufen gering gehalten werden.

Für die Arbeitnehmenden ist ein grosser Nachteil die Benachteiligung bei den Pensionskassen. Da der gesetzliche Koordinationsabzug für Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigte gleich hoch ist, fällt der versicherte Lohn (und somit die zukünftigen Leistungen der Pensionskassen) für Teilzeitbeschäftigte im Verhältnis zu ihrem Einkommen tiefer aus als für Vollzeitbeschäftigte. Weiter birgt Teilzeitarbeit das Risiko von geringeren beruflichen Entwicklungsperspektiven. Zudem gibt es prekäre Formen wie Arbeit auf Abruf oder unfreiwillige Teilzeitarbeit. Diese Risiken und die Tatsache, dass vor allem Frauen teilzeitbeschäftigt sind, werden mit dem Begriff «Teilzeitfalle» für Frauen umschrieben.

Gute Teilzeitarbeit

Wir setzen uns für gute, freiwillige Teilzeitarbeitsmöglichkeiten für alle ein.

Wir fordern gesetzliche Regelungen, welche die Benachteiligung von Teilzeitbeschäftigten, insbesondere bei der beruflichen Vorsorge, aufheben. Solange diese noch nicht existieren, raten wir allen Teilzeitbeschäftigten, die Problematik mit den Vorgesetzten zu diskutieren: Die Benachteiligung bei den Pensionskassen kann nämlich durch die Anpassung des Koordinationsabzuges an den Beschäftigungsgrad aufgehoben werden. Fortschrittliche Unternehmen praktizieren dies auch.

Wir fordern die Unterbindung von Arbeit auf Abruf. Das Arbeitsgesetz (Art. 69 ArGV 1) sieht übrigens vor, dass der Arbeitsplan grundsätzlich mindestens zwei Wochen im Voraus bekanntgegeben werden muss.

Ob sich jemand für eine Teilzeitbeschäftigung entscheidet und sich die entsprechende Lohneinbusse leisten kann, hängt von der individuellen Situation ab. Aber gute Teilzeitarbeitsmöglichkeiten sollen vorhanden sein. Und wenn solche Teilzeitarbeitsmöglichkeiten genutzt werden, dann profitieren beide Seiten davon: Die Teilzeitarbeitenden haben mehr Zeit für ihr Leben neben der Erwerbsarbeit und die Unternehmen verfügen über gesündere und motiviertere Arbeitskräfte.